Da Cover

Blink 182 - California

Jahr: 2016
Label: BMG
Produzent: John Feldman

Autor: schlomo

Nachdem es zwischen Tom DeLonge und seinen Kollegen von Blink-182 zum zweiten mal zum Split kam, verlief die Sache etwas anders als beim letzten mal. Statt sich wieder ihrer vorigen Gruppe +44 zu widmen, oder etwas ganz neues zu starten und den alten Kram gut sein zu lassen, entschieden sich Mark Hoppus und Travis Barker dieses mal dass sie lieber an der bewährten Blink-Marke festhalten wollen, und ersetzten DeLonge ganz einfach mit Matt Skiba, seinerseits schon seit längerer Zeit durch seine Hauptgruppe Alkaline Trio bekannt.

Dies war, wenngleich interessant, aus ein paar Gründen seltsam. Zum einen ist Skiba's Alkaline Trio auch nicht grade inaktiv, doch noch viel mehr dachte man, dass die Besetzung von Blink 182 zumindest seit Enema of the State von 1999 fest in Stein gemeißelt war, es also kein Blink ohne Hoppus, Barker UND DeLonge geben könnte, wonach es nach dem ersten Split und der späteren Reunion ja auch aussah. Ohne DeLonge merkt man leider schnell, was den neuen Blink 182 fehlt, und erst recht merkt man welches Mitglied wohl für den Großteil der musikalischen Weiterentwicklung nach Take off your Pants... verantwortlich war.

Natürlich war es offensichtlich, dass sich der Blink-Sound mit dem Personalwechsel verändern würde, doch anstatt zu klingen wie eine frische Version der Band, klingt California eher wie die Platte, die Blink anstelle des selbstbetitelten Albums von 2003 gemacht hätten, wenn Tom DeLonge auf genau derselben Schiene wie Mark Hoppus gefahren wäre. Soll heißen: An vielen Stellen irgendwie rückschrittlich.

Die Songs generell klingen wieder simpler. Auch ist der Humor wieder zurück, in Form von zwei 20-Sekündigen Joke-Songs die man sich auch hätte sparen können. Der Input von Skiba verschmilzt teilweise recht gut mit dem von Hoppus und klingt an anderen Stellen widerum so klar nach dem Alkaline Trio dass er sich dadurch schon fast zu sehr vom Rest abgrenzt. Allerdings sind diese Parts für mich dann auch die stärksten auf diesem Album, wodurch es auf seltsame Art und Weise manchmal klingt als höre ich mir ein Alkaline Trio Album an auf dem halt nur zwei andere Typen Bass und Drums spielen als sonst.

Das Album beginnt mit Cynical, einer sehr typischen und angenehm kurzen Punk-Nummer die zu den eher rar gesäten schnellen Songs auf California zählt. Bored to Death wurde als erste Single ausgekoppelt, und das auch zurecht. Eine gute Zusammenfassung des Albums, mit einem kräftigen Refrain, sehnsüchtigem Text und genug "Whoa Whoa" Gesängen um noch das nächste Offspring Album damit zu füllen. Können wir kurz über die Sehnsüchtigen Texte reden? Die können einem nämlich schnell auf die Nerven gehen. Ich halte nicht so viel von Männern über 40 (oder über 30) die mir in jedem Song einen von Sehnsucht und Liebeskummer vorschmachten. Die Texte wirken an diversen Stellen wie von Teenagern geschrieben, mit dem kleinen Problem dass sie eben nicht von Teenagern geschrieben wurden.

Songs wie She's out of her Mind und Sober wirken trotz durchaus eingängiger, melodischer Refrains als hätten sie auch schon auf Enema of the State stattfinden können. Was nicht heißen soll dass jede Band die absolute Pflicht hat auf jeder Platte komplett neu zu klingen , ich finde nur bei dieser Art Song wirkt es ab einem gewissen Alter einfach komisch. Die besten Songs auf California sind wie bereits angedeutet jene mit einem ordentlich melodischen Matt Skiba-Refrain, so wie Left alone, das bereits erwähnte Bored to Death, und allen voran San Diego, der beste Song des Albums. Texte hin oder her, viele dieser Songs haben das Potential sich ins Ohr zu wurmen und mehrere Tage nicht herauszukommen. Die Blink-Melodiemaschine ist immer noch in der Lage bemerkenswertes zu produzieren, erst recht mit einer frischen Spritze alkalischer Ladung.

John Feldmans Produktion des Albums ist natürlich mal wieder viel zu glatt, selbst Travis Barkers Schlagzeug klingt etwas glanzlos und trocken. Um das böse Wort zu nennen: Es ist alles übertrieben radiofreundlich, und wer weiß was weniger Politur den Songs so Gutes getan hätte. Kurz zusammengefasst: Auch wenn Skiba gute Arbeit abliefert, scheint es als kommt es der Musik von Blink (ironischerweise) weniger zu Gute, wenn die beiden Frontmänner am selben Strang ziehen. Oder vielmehr, wenn Mark Hoppus eine gewisse Dominanz über den kreativen Prozess besitzt. Ohne DeLonge klingen Blink 182 ein ordentliches Stück weniger markant. Das Progressive ist raus, das "Heavy"-Element ist raus, und natürlich auch eine sehr markante Singstimme. California ist zwar nicht wirklich ein schlechtes Album, doch selbst nur im Kosmos des Blink-Katalogs ist es ziemlich schwach. An guten Tagen durchaus eine 6, doch meistens nur eine 5.

5/10