Da Cover

Green Day - Warning

Jahr: 2000
Label: Reprise Records
Produzent: Green Day

Autor: schlomo

Warum Warnung? Dieser Tonträger ist komplett ungefährlich. Er ist geradezu lieb, flauschig und verspielt. Wie er über die Wiesen tollte an den sonnigen Frühlingstagen von 2001 werde ich nie vergessen.

Zuerst mal: dieses Album war seinerzeit das erfolgloseste seit Green Days Wechsel zu Reprise. Es entstand in einer Phase in der bandintern nicht alles reibungslos zuging und verschreckte mit seinem erdigen Pop-Rock Sound einige Käufer, wodurch es zum ersten Green Day Album seit Dookie wurde, welches keinen Platin- sondern lediglich Goldstatus erreichte. Ha! Green Day, was für’n Haufen Loser.

Doch was weiß die breite Masse schon? Garnichts, eben. Warning ist alles andere als ein Loser. Die Band löst sich komplett vom Status quo und spielt einfach, wie schon ein paar Zeilen vorher erwähnt, lupenreinen Pop-Rock. Sagte ich Pop-Rock? Mais Oui! Die bratenden Gitarren vom Vorgänger Nimrod sind verschwunden, statt dessen kommen verstärkt Akustikgitarren zum Einsatz, die jeden Song in dem sie auftauchen soundtechnisch bereichern. Zusätzliche Würze verleihen auch die subtilen Percussions, sowie hier und da mal auftauchende Mandolinen und Bläser. Sogar ein Akkordeon gibt es, u.a. in der Single Minority, der wohl fröhlichsten Anti-Establishment Hymne die je komponiert wurde. „I want to be the minority / I don’t need your authority / down with the moral majority / ’cause I want to be the minority” Auch dies übrigens wieder ein Song mit einer exquisiten Bassline von Señor Miguel Dirnt. In der Strophe ist Minority fast ein Folk Song, zumindest bis im Refrain dann die Rockgitarre und das stampfende Schlagzeug wieder übernehmen.

Wer einen kompletten Folk Song wünscht, wird bei Hold On fündig; Sänger Billie Joe Armstrong versteht es hier gut, aus einer alltäglichen Akkordfolge mit einer abartig eingängigen Gesangsmelodie das beste herauszuholen. Die 5-Minuten Arie Misery, in der Billie Joe von den Schicksalen verschiedener zwielichtiger Charaktere berichtet, hebt sich durch seine Länge, Instrumentierung, und einen Instrumental-Part in dem unter anderem Mariachi-Trompeten aus den Nichts auftauchen vom Rest der Platte ab, und stellt als Track 6 von 12 den klaren Mittelpunkt des Albums dar.

Es fällt mir schwer, größere Mängel an Warning festzustellen. Dieses Album ist nicht auf Streit aus. Es ist so dermaßen locker-flockig (es lockt und flockt in alle Ecken) und unprätentiös dass jede schärfere Kritik sich anfühlen würde als ob man einen Welpen als Fußball missbraucht. Man könnte sagen, dass Green Day im Studio ihren Biss beim Pförtner abgegeben haben. Man könnte sagen dass die Platte nur kraftloses Tralala und lachhafte Experimente mit überflüssigen Bonus-Instrumenten enthält, aber die Wahrheit ist doch: Warning ist Green Days Urlaub vom Punk. Ihr Urlaub von den Erwartungen aller, und der Pop-Rock, das Akkordeon und Billie Joe’s deutlich erwachsenere Texte sind ihr Swimming Pool, ihre attraktive Masseuse und ihre Sonnenliege. Wer Punk-Green Day will wird wohl mit jedem anderen ihrer Alben glücklicher als mit diesem; Warning ist trotzdem eine Platte von sehr hoher Qualität die man nicht einfach links liegen lassen sollte.

8/10