Da Cover

Iggy Azalea - The New Classic

Jahr: 2014
Label: Island Records, Virgin EMI
Produzenten: Sarah Stennett, T.I., The Invisible Men, The Arcade, 1st Down, The Messengers, Watch The Duck, Stargate, Reeva & Black

Autor: Molybdarm

Als alteingessener Rocker, sich nicht auf diese Definition reduzierend, habe ich manchmal, naja eigentlich sehr oft, das Verlangen auch mal ein bisschen über den Tellerrand zu schauen. Neulich gab es wieder einen solchen Moment. Dazu nehme ich auch gerne mal Sachen, von denen ich beim ersten Hören sagen würde „Wer hört sich einen solchen Scheiss an?”. Gerade auch, weil meine Lieblinge „Nine Inch Nails” oder „Queens Of The Stone Age” Bands sind, die diese Mühe auch jedes Mal fordern und es sich lohnt.

In diesem Fall habe ich mir mal fett den neuesten und geilsten Scheiss rausgesucht. Dazu habe ich die Platte nicht einmal, sondern mehrere Male durchgehört, auch um zu sehen, ob sich da vielleicht noch etwas entwickelt. Fangen wir mal an:

Die arme Iggy ist seinerzeit mit „No Money / no familiy / 16 in the middle of Miami” aus Australien ausgewandert. Und wie so oft bei zwischenzeitlichen Rap/HipHip Sensationen versucht Sie uns in ihrem ersten Werk einen Blick in das Leben einer Frau zu geben, die aus dem Nichts Ihre Reise in den Billboard-Himmel raketenartig hinter sich gebracht hatte. Dabei hat sie natürlich Ihre Wurzeln nicht vergessen und trinkt trotzdem mal einen über den Durst. Weil’s auch gerade so trendy ist, kann sie auch richtig rumbitchen und weiß dass jeder sie hated.

Habt Ihr schon mal gehört? Ich schon. Eminem, 50 Cent, Notorious B.I.G. und 2Pac Shakur und auch unser liebster Immigrant Scarface haben mit „harter” Arbeit schließlich den Thron von unermesslichem Reichtum und Macht erreicht. Das gleiche Klischee erreicht uns auch immer wieder aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, ebenso das wie von der Freiheit, die so endlos ist wie die länger als der Horizont wirkenden Ebenen in Montana. Eine(r) kann alles.

Diesem Standpunkt gibt sie mit „Don’t Need Y’all” ganz gut zum Ausdruck. Da sagt sie alten Freunden tschüss, die ihr früher nicht helfen konnten/wollten und die jetzt aber ankommen, was von ihr wollen. Weil sie sich ja aber alles selbst so hart erarbeitet hat, sagt sie 30-40 mal „Don’t Need Y’all, Anyway”. Die Texte sind dabei so simpel, dass selbst ich bei diesem sog. Rap/HipHop auch nach dem 10. Hören keinen tieferen Sinn erkennen kann, als das.

Und wie bei jedem anderen Werk mit diesen immergleichen Themen fragt man sich immer wieder, was in solchen Menschen eigentlich vorgeht. Denken sie wirklich, dass sich die ganze Welt nur um sie dreht? Ihr Leben wirklich so interessant ist, dass die Leute heim Hören große Augen bekommen und auf die Knie fallen? Sie erwarten natürlich, dass man anerkennt, dass sie jeden Tag „100” Prozent geben. Wie im folgend benannten Song. Sie keept it one hundred (Prozent, yo!). Aber warum sollte jemanden anerkennen oder gar bewundern, der sich anscheinend um andere nicht schert, sondern nur um sich selbst und die eigene kleine Bling-Bling-Ego-Aufmerkamkeitswelt?

Ganz einfach: sie hilft einem dabei groß im „Game” zu werden. „Imma change your life, Imma change it / Imma change your life (life)”. Dabei besitzt sie die einfache Menschenkenntnis, dass keiner dem Erfolg entsagen kann, wenn er erstmal angeboten wird. Das nicht alle von dieser Art Erfolg träumen, wird am besten gar nicht erst in Erwägung gezogen. Hier, genau wie im sinnlosen Party-Gebaumel „Fancy”, „New Bitch” („I’m his new Bitch”, was zur Hölle?) geht sie klar ihren Weg. Geht sie? Es drängt sich mir als Erwachsener (zumindest auf dem Papier) immer wieder der Verdacht auf, es handle sich um die x-te Wiederholung von Klischees, die wir alle schon tausendfach auf endlosen Rap/HipHop Alben-Sammlungen gehört haben. Aber an diesem Punkt war ich bereits weiter oben.

Die Produktion an sich ist vielleicht noch das einzige, was ansatzweise geübte Hörer überzeugen kann. Die Beats und Samples werden stilsicher eingestreut. Wie schon seit einigen Jahren werden auch hier konsequent Elemente aus der Euro-Trash ära genommen und mit E-Piano, Dubstep und eben HipHop gemischt. Damit schaffen es die Schrauber und Produzenten geschickt, die Stimmung der Texte gewissenhaft wiederzuspiegeln. Ich denke am Ende ist das auch der einzige Grund, warum die Platte zu Ihrer Zeit sehr erfolgreich war und Iggy Azalea als das neue, heiße Ding gefeiert wurde. Abgesehen von ihrem riesigen Hintern.

Was bleibt also am Ende? Aus europäischer Sicht die Erkenntnis, dass auch in den USA sehr viel „konstruiert” wird. Neben all den Künstlern, auch im HipHop, die wirklich was drauf haben und über die Grenzen des Genres hinweg Hörer anziehen, gibt es eben auch sowas. Nicht umsonst ließen sich MCs wie Snoop Dogg relativ schnell dazu hinreißen, Iggy aufs übelste zu dissen (Beef, yo!). Es war ein netter Ausflug, aber jetzt habe ich erstmal wieder genug vom aktuellen Supermainstream.

3/10