Da Cover

The Toy Dolls - Twenty Two Tunes Live from Tokyo

Jahr: 1990
Label: Receiver Records

Autor: schlomo

Auch wenn diese Seite keine offizielle Hymne hat (noch nicht jedenfalls...), wenn wir so etwas wie eine Haus- und Hofkapelle bestimmen müssten, würde ich die Englischen Fun-Punks von den Toy Dolls wählen.

Heute, zum ersten Geburtstag von Sonderblaster, gibt es eine kleine geschichtsträchtige wertlose Meinung. Zu der Zeit als ich die Zeilen tippte die später diese Website ergeben sollten, waren die Toy Dolls meistens meine musikalische Begleitung, und am häufigsten und lautesten lief stets Twenty Two Tunes Live from Tokyo, kein Studiowerk sondern ein wildes und energiegeladenes Livealbum.

Das auf dieser Scheibe enthaltene Material ist kein Zusammenschnitt der besten Liveversionen der Songs sondern eine komplette Aufzeichnung eines einzelnen Konzertes, aufgenommen am 27. Dezember 1989 im Club Quattro in Tokyo, gegen Ende der damaligen Welttournee der Band zum Album Wakey Wakey. Die Toy Dolls zeigen sich auf Twenty Two Tunes mit ihrem besten Lineup (Olga – Sänger und Gitarrist, K’Cee – Bassist & Sänger, Marty – Schlagzeuger und Sänger) alles andere als müde, wie man es vielleicht am Ende einer langen Tour um die Welt erwartet. Stattdessen spielt die Band rasend schnell, geschmeidig, einfach perfekt eingespielt, und das japanische Publikum könnte sie wohl kaum härter feiern als sie es das gesamte Konzert über tun.

Die Auswahl der gespielten Songs ist perfekt. Jeder Fan-Favorit bekommt genauso seinen Platz auf der Setlist wie die besten „Geheimtips“ der Band. Natürlich gibt es hier Dig that Groove, Baby und Nellie the Elephant, aber es sind besonders die weniger offensichtlichen Songs die den immensen Spaßfaktor des Albums ausmachen. Meine Favoriten Peter Practice’s Practice Place, Deidre’s a Slag und Ashbrooke Launderette folgen praktischerweise alle direkt aufeinander. Nicht dass ich ansonsten weiterskippen müsste, aufgrund der hohen Energie mit der die Bad ihre Stücke spielt wird kein Song jemals langweilig. Falls ich es noch nicht genug betont habe,die Energie auf diesem Konzert ist MANISCH. Auf Harry Kross und Deidre’s a Slag fordert Gitarrist Olga das Publikum zum Mitwirken auf; teilweise versucht er sich auch an japanischer Kommunikation („Watashi wa kawaii"=Ich bin niedlich), welche von den Japanern jedes Mal begeistert aufgenommen wird.

Der einzige Kritikpunkt der mir einfällt, abgesehen davon dass die Scheibe schon seit längerer Zeit leider Out of Print ist, also keine neuen Auflagen mehr gepresst werden (eBay war gut zu mir), ist vielleicht die Live-Showeinlage in der Mitte der Show, die nur mit Schlagzeugbegleitung vertont ist, während man die eigentliche Showeinlage auf der CD, nun ja, leider nicht sehen kann. Hier hätte man vielleicht ein wenig schneiden können, vielleicht aber auch nicht. Allzu lange dauert das Ganze auch nicht, und diverse Hörer lauschen bestimmt auch gerne mal einem kleinen Drumsolo.

Alles in allem, dies ist ein Livealbum das mich, der sich ansonsten kaum für Livealben interessiert, mit seiner Spielfreude und perfekten Setlist einfach komplett begeistert hat. Natürlich muss man eine Vorliebe oder zumindest eine Toleranz für schnell gespielten Fun-Punk mit albernem Cartoon-Gesang haben, doch wer dies hat wird an Twenty Two Tunes mit Sicherheit seine helle Freude haben.

9/10