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Evangelion 3.33: You can (not) redo

(ヱヴァンゲリヲン新劇場版:Q/Evangelion Shin Gekijoban:Q)

Jahr: 2012
Land: Japan
Genre: Action, Drama, Science Fiction
Synchronsprecher: Hannes Maurer, Dirk Petrick, Julia Ziffer, Jennifer Weiß
Regie: Hideaki Anno, Mahiro Maeda, Masayuki, Kazuya Tsurumaki
Drehbuch: Hideaki Anno
Musik: Shirō Sagisu

Autor: schlomo

***Diese Kritik enthält SPOILER***

Neon Genesis Evangelion gehört zu der halben Handvoll Anime-Serien die es geschafft haben, mich wirklich in ihren Bann zu ziehen und zu einem Fan zu machen. Einem geschundenen Fan der sämtliche dramatischen bis traumatischen Wendungen und Ereignisse der 1995er Original-Serie und den dazugehörigen Filmen über sich ergehen ließ und der Reihe dabei treu ergeben blieb. Im Jahr 2007 begann die Filmreihe „Rebuild of Evangelion“, die Geschichte der Serie in vier Filmen neu aufzurollen. Mit erheblicher Verzögerung wurde 2012 (bzw. 2013 in Deutschland) der hier besprochene dritte Film Evangelion 3.33 veröffentlicht und sorgte mit seiner unerwarteten, radikalen Abkehr von der ursprünglichen Story für große Kontroversen und geteilte Meinungen in der Fangemeinde.

Ich habe mich entschieden, garnicht erst zu versuchen diese Kritik in irgendeiner Weise für Nicht-Kenner der Serie verständlich zu machen. Dies würde nur zu unendlich vielen eingeklammerten Erklärungen und Fußnoten führen. Diese Serie - selbst nur dieser Film allein - ist einfach zu verworren und kryptisch, um die Geschehnisse und ihre Bedeutungen in simple, laiengerechte Formulierungen zu fassen. Jesus Werner, das klang wohl etwas prätentiös.

Aber nun zur Handlung: Seit dem Ende des vorigen Films sind plötzlich 10 Jahre vergangen. NERV besteht allem Anschein nach nur noch aus Gendo Ikari und seinem Vize Fuyutsuki, während sich sämtliche restlichen NERV-Mitarbeiter unter Leitung von Misato Katsuragi zur Organisation WILLE zusammengeschlossen haben, deren neues Ziel es ist, NERV zu bekämpfen. Shinji, Asuka und Mari wurden von dem Alterungsprozess verschont, da das Steuern der Evangelions offenbar auf einmal mit einem „Fluch“ einhergeht, der den Rest des Films nicht mehr zur Sprache kommt. Rei ist immer noch unauffindbar in EVA-01 verschwunden, weswegen sich NERV eine neue geklont hat (sowas machen die eben), die Bevölkerung von Neo Tokyo 3 inklusive Shinjis alter Schulkameraden ist tot (jup, hammwa dit ooch jeklärt), Kaji taucht überhaupt nicht auf, und obwohl die Welt am Abgrund steht ist das Niveau der Technologie trotzdem nochmal um ein vielfaches angestiegen (wer baut all diese Dinger?). Soweit so gut.

Müsste ich es knapp formulieren, würde ich sagen dass dieser Film mich leich frustriert und traurig stimmt, und nicht auf die Art und Weise wie man es vielleicht von NGE erwartet. Die Äußerung dass Evangelion 3.33 einen radikalen Bruch in der Story der vorigen zwei Filme vollzieht, ist beinahe noch untertrieben. Und das ist es auch schon, was mich an diesem Film am meisten stört. Handlungsstränge und character developement aus dem vorigen, meisterhaften Film werden einfach abgebrochen. Besonders Rei Ayanami, die im letzten Film noch eine für ihre Verhältnisse gewaltige Entwicklung durchmachte und versuchte, Shinji wieder mit seinem entfremdeten Vater zusammenzuführen, gibt in diesem Film einfach nur ein jämmerliches Bild ab. Natürlich handelt es sich hier um eine „andere“ Rei, aber auch dies ist enttäschend wenn man bedenkt dass das extrem imposante und rührende Ende des letzten Films mutmaßen ließ, dass wir in dieser Version der Geschichte eben nicht auf eine „zweite Rei“ stoßen werden.

Auch Misatos Charakterisierung missfällt mir sehr. Früher die einzige wahre Bezugsperson für Shinji, die ihm mit Wärme und emotionaler Unterstützung begegnete, verhält sie sich nun ihm gegenüber kalt und emotionslos. Ihre netteste Handlung im Film besteht daraus, nicht das Halsband zu aktivieren das Shinji den Kopf in Stücke sprengen würde.

Die Animation ist Evangelion-typisch beeindruckend und innovativ, nur die Schlachtsequenzen fand ich zu verwirrend und unübersichtlich. Landschaften und Lokalitäten sind spektakulär in Szene gesetzt, allerdings weiß der Zuschauer die meiste Zeit nicht wirklich, was für einen Raum oder was für eine Ruine er sich da gerade überhaupt anguckt, da der kryptische/mythologische Faktor in Evangelion 3.33 auf „Maximum“ gedreht wird. Eine ganze Menge coole Bilder werden nur in Kombination mit einer unklaren, mystischen Erklärung (oder ganz ohne) in den Raum geworfen.

Evangelion 3.33 wirft für meinen Geschmack zu viele Fragen auf die unbeantwortet bleiben, und ich bin einfach kein Fan der neuen Story, die auf mich noch desolater und hoffnungsloser wirkt als das letzte Viertel der Original Serie. Insgesamt ein enttäschender Nachfolger für den genialen zweiten Teil. Außerdem wirkt die ganze Geschichte mit dem Zeitsprung und dem aufgeblasenen Mythologie- Faktor einfach nur wie „man erwartet wohl das hier von uns, also machen wir statt dessen einfach DAS hier! Mit coolen Schlachtschiffen!“ Natürlich ist dies erst der vorletzte Teil der Filmreihe, und man kann noch hoffen dass Teil 4 einige der offenen Fragen klärt und uns vielleicht sogar mit einem zufriedenstellenden Ende beglückt...wobei Fans der Reihe allerdings aus Erfahrung wissen, dass man seine Hoffnungen auf solcherlei Dinge bei Evangelion nicht all zu hoch schrauben sollte.

4/10