Da Cover

Glass


Jahr: 2019
Land: USA
Genre: Thriller, Superhero
Darsteller: Bruce Willis, Samuel L. Jackson, James McAvoy, Sarah Paulsen
Regie: M. Night Shyamalan
Drehbuch: M. Night Shyamalan
Musik: West Dylan Thordson

Autor: Kachō

Glass? Wohl eher ASS, hoho. Dieser Film kann mir mal einen glasen. Als „geteilte Fortsetzung“ für gleich zwei Filme, Unbreakable von 2000 und Split von 2016, schafft dieser Film es, gleich zwei beliebte und kritisch anerkannte Filme mit sich ins Verderben zu reißen. Um so überraschender (und beleidigender), dass der allgemeine Konsens der breiten Masse ins Positive zu neigen scheint. In dem Moment in dem ich diese Zeilen tippe, liegen die positiven Rezensionen des Publikums auf Rotten Tomatoes bei 76%, die der Kritiker aber nur bei 36%. Was für mich die Frage aufwirft, was die Normalsterblichen in diesem lahmen und uninspirierten Streifen so gesehen haben.

An dieser Stelle möchte ich zuerst noch klarmachen, dass ich den Film Split nicht gesehen habe (und mich dieser Film auch nicht inspiriert hat, jenes nachzuholen). Ich schreibe diese Kritik als Fan von Unbreakable, einem von mir sehr geschätzten Film, der es damals schaffte die Prämisse „Comic-Helden (und Schurken) im wahren Leben“ auf sehr clevere Art und Weise zu verarbeiten. In Glass werden nun also die Hauptfiguren aus beiden Filmen zusammengeworfen, auf dass ihre Geschichten ein gemeinsames Ende finden.Und was für ein unbefriedigendes und auch unwürdiges Ende es ist. SPOILERS AHEAD, wie man in Teilen des ehemaligen Preußens sagt.

Nachdem „Superheld“ David Dunn bei einem seiner regelmäßigen Rundgänge zufällig über einen dicken Fisch in Gestalt des mächtig identitätsgestörten Kevin Crumb stolpert, werden beide während der daraus resultierenden Keilerei von der Polizei gestellt und in eine Nervenheilanstalt verfrachtet. Nicht irgendeine Anstalt, natürlich, sondern eine die sich spezifisch um Personen kümmert, die sich für Superhelden halten. Ein weiterer Insasse – und so wie ich das sehen konnte, auch der einzige weitere Insasse – ist Elijah Price alias Mr. Glass, welcher sich 19 Jahre zuvor als erfolgreicher Organisator einiger mittelgroßer Anschläge geoutet hatte und daraufhin in Gewahrsam genommen wurde um weitere glasoziale Taten zu verhindern. Warum er in diesem Laden hockt obwohl er sich eigentlich nie als Held definiert hat, interessiert keinen. Nun liegt es an unserem neuen Charakter, Psychologin Dr. Ellie Staple, den dreien ihre Größenfantasien auszureden, und das ist dann der Plot für fast den gesamten Rest des Films.

Um es kurz zusammenzufassen, dieser Film ist langsam, lahm und diverse weitere Adjektive die das Gegenteil von aufregend beschreiben. Nachdem die Nervenheilanstalt in Minute 18 des Films betreten wird, wird sie für den Rest des Films nicht mehr verlassen. Es wird eine Menge geredet, erklärt, und Nahaufnahmen von Gesichtern gemacht. Und verdammt gehen einem diese Nahaufnahmen irgendwann auf den Senkel. Sie machen schon in Verbindung mit Samuel Jacksons stummer Visage nicht viel Bock, doch am schlimmsten ist bei weitestem die viel, viel zu präsente Psychotante mit ihrer Mine die permanent in einer Mischung aus sichtbarem Interesse und Verdutztheit eingefroren scheint. Bruce Willis hat bereits vor langer Zeit aufgehört sich Mühe zu geben, und sieht jetzt nicht nur in jedem Film gleich aus, sondern spielt auch überall den selben Typen. Sam Jackson wirkt ebenfalls reichlich desinteressiert, und verbringt die erste Stunde des Films komplett wortlos. James McAvoy als Kevin Crumb kann man zurechnen, dass er eine engagierte Darbietung abgibt, auch wenn mich sein „23 Persönlichkeiten in einem Körper“ Ding vom Konzept her nicht unbedingt mordsmäßig fesselt, und stellenweise auch leicht nervig oder unfreiwillig komisch wirken kann.

Am Ende des Films brechen unsere drei Hauptsubjekte aus der Anstalt aus, aber nur um sich bereits auf dem Parkplatz die finale Schlacht zu liefern, bei der Mr. Glass nach einem Falcon Punch in die Glasknochen stirbt, Kevin-nicht-allein-zu-Haus eine Kugel in den Magen kriegt die keiner seiner 23 Persönlichkeiten sehr gut bekommt, und Bruce Willis von einem sehr eifrigen Schutzmann in einer Pfütze ertränkt wird...seine Schwäche ist nämlich Ertrinken...ich meine Wasser... das macht das ganze sogar circa 7% weniger dämlich. Warum solch drastische Maßnahmen? Es stellt sich heraus, dass die Anstalt einer geheimen Gesellschaft (gibt es noch andere Sorten von Gesellschaften?) gehört, deren Ziel in Wirklichkeit nicht etwa ist, Superhelden zu „kurieren“ sondern eher um jeden Preis von der Öffentlichkeit fernzuhalten. Zum Schluss gibt es noch den Twist nach dem Twist, in dem Mr. Glass mit seinen haxx0r Skills die gesamte Parkplatzschlägerei ins Internet übertragen hat, sodass nun die gesamte Welt Bescheid weiß, und dann ist der Drops gelutscht, wow.

Ein absolut unwürdiger Nachfolger für Unbreakable mit meist gelangweilt wirkenden Bruce Willis und Sam Jackson, einem leicht nervigen James MvAvoy und einer sehr nervigen Sarah Paulson. Warum man sich für 90% des Films für die extrem eingeschränkte und sterile Umgebung einer Nervenheilanstalt entschieden hat kann ich auch nicht nachvollziehen. Ich kann mir nichts in Erinnerung rufen was mir an diesem Film gefallen hat. Am Ende dieser Kritik gibt es keinen Twist. 1 von 10 Punkten.

1/10