Da Cover

Robocop


Jahr: 1987
Land: USA
Genre: Science Fiction, Action, Crime
Darsteller: Peter Weller, Nancy Allen, Dan O’Herlihy, Ronny Cox
Regie: Paul Verhoeven
Drehbuch: Michael Miner, Edward Neumeier
Musik: Basil Poledouris

Autor: Molybdarm

Roboblech im Trümmertal

Hollywood befindet sich schon seit Jahren in einer Sinnkrise. Bei neuen Filmen handelt es sich zu 99%iger Wahrscheinlichkeit um solche, die einer populären Literaturreihe entspringen oder eben Comicvorlagen. Ein nicht zu geringer Anteil beschäftigt sich auch mit Neuverfilmungen alter Klassiker. Besonders interessant sind für mich Originale, die ich vielleicht noch nicht gesehen habe. Für die Macher solche, die nicht mehr jedem im Gewissen sind. Ein solcher Klassiker der 80er Jahre ist auch Robocop, im Original geschrieben und umgesetzt von Paul Verhoeven, kürzlich neu aufgelegt. Hier möchte ich mich mit dem Originalfilm aus dem Jahre 1987 beschäftigen.

Das besondere war und ist für mich an diesem Film weniger der Move, mit dem Robocop die Waffe aus seinem Bein holt, oder dass er Knight-Rider-like einen roten Streifen im Visier hat, sondern mehr der politische und soziologische Hintergrund bzw. Kontext, den dieser wahrhaft geniale Film in sich birgt. Auch wenn der Move seinerzeit in meiner (Grund-)Schule in jeder Pause zum Einsatz kam.

*SPOILERWARNUNG* Dazu muss ich leider etwas der Handlung vorweg nehmen. Das sollte niemanden daran hindern, den Film für sich selbst zu schauen, dennoch warne ich unbedarfte, die jetzt ansonsten einiges vorweg erfahren werden.

Wir befinden uns in einer nicht allzu fernen Zukunft (etwa mitte 1990er). Im Zuge der wahnhaften Privatisierung der öffentlichen Befugnisse (ja, damit hat man sich schon 1987 beschäftigt), haben sich schließlich die skrupellosesten Unternehmen durchgesetzt. In Detroit, welches echt heruntergekommen aussieht (und außerdem ähnlich, wie es heute tatsächlich aussieht (!!!111!einself)) , treffen wir schließlich Alex J. Murphy, der als neu eingesetzter Beamter mit seiner Partnerin Anne Lewis für Recht und Ordnung sorgen will. Alles im Auftrag der OCP, einem Konzern, der den Zuschlag für das Betreiben der Polizei in Detroit bekommen hat.

Charaktere sind nicht die Stärke von Paul Verhoeven. Das sieht man sofort. Es ist alles ein bisschen platt, bis auf offensichtliches nimmt man Robocop heute er als halbe Komödie wahr. Wenigstens die gewollten Witzchen übers Fernsehen „I'd buy that for a dollar!“ ziehen damals wie heute. Abschreckend ist nach wie vor auch der Einsatz von roher Gewalt, die spätestens kurz bevor Murphy zum vermeidlichen Tode kommt, deutlich zeigt. Diese Härte gibt es in meinen Augen heute überhaupt nicht mehr im Mainstream zu sehen, nur Herr Tarantino wagt sich noch ansatzweise an solches. Hier wird es aber erfolgreich als Stilmittel eingesetzt, denn unser Robocop pendelt ständig zwischen den Extremen, als sein Verstand sich langsam gegen seine Programmierung/Maschinenteile durchsetzt. Das wird durch das viele Blut und Leiden noch einmal sehr schön unterstrichen.

Damit einher geht die ständige Kritik an amerikanischen Medien, die ständig Sex und Waffen verkaufen wollen und somit eine Spirale von Erschaffung, Vergnügen an und mit und Zerstörung als wirtschaftliche Todesspirale rausstellen. Dem Film geht also eindeutig ein politisches Pulverfass durch, welches in Kontrast den Kampf zwischen Mensch und Roboblech, Seele und Schrauben auch ein Stückweit die fortschreitende Automatisierung karikatiert. Schließlich entwickelt Robocop sich weiter und lernt mit seinen neuen Fertigkeiten ein besseres Wesen zu sein und die Dämonen seiner Vergangenheit zur Rechenschaft zu ziehen.

Dennoch gibt es so viele Aspekte, die diesem Film innewohnen, dass es mir schwerfällt, mich an alle zu erinnern oder (hier) aufzuarbeiten. Eins sollte man jedoch nicht vergessen, diese beim Schauen auch aufzunehmen. In jeder Szene birgt sich ein Detail, Konflikt, Stimmung oder Meinung.

Daher mag man mir verzeihen, wenn ich Zweifel daran habe, das „Heutehollywood“ noch in der Lage ist, vergleichbares zu produzieren. Davon werde ich mich bald auf der Laserscheibe meines Vertrauens selbst überzeugen, oder eben nicht. Was aber sicher ist: früher war in der Zukunft alles besser.

Fazit:

Das milde Happy End ist ein kleiner Wermutstropfen, der Film aber nach wie vor mehr als sehenswert und in gewisser Weise auch stilbildend. Jeder mit Interesse an guten Filmen, der Gewalt und schlechte Schauspieler nicht scheut - für eine gute Story: Du darfst bedenkenlos Dein “Internetstream”/DVD/”sonstiges-Abspielgerät-aus-der-Hölle” anwerfen.

7/10