Da Cover

Sharknado


Jahr: 2013
Land: USA
Genre: Katastrophenfilm
Darsteller: Ian Ziering, Cassie Scerbo, Tara Reid, John Heard
Regie: Anthony C. Ferrante
Drehbuch: Thunder Levin
Musik: Ramin Kousha

Autor: schlomo

„Aaaalter, es ist ein Tornado...voll mit HAIEN. Aaaalter!“ So kann man ziemlich genau die Grundlage, den Aufhänger, UND das Marketing für Sharknado zusammenfassen, den wohl am meisten publizierten B-Movie der jüngeren Vergangenheit. Aber Hoho, nicht nur einfach ein B-Movie, sondern ein B-Movie mit einem Bewusstsein. Ein lächerlicher und beknackter Film der ganz genau weiß wie lächerlich und beknackt er ist, und alle, die sowas zu schätzen wissen, herzlich dazu einlädt gemeinsam mit ihm darüber zu lachen wie lächerlich und beknackt er doch ist. Als wäre das etwas neues...

Leider empfand ich Sharknado als ziemlichen Blender. Ein Film der selbst mit seinem Untertitel (Sharknado - genug gesagt) klarmacht, dass der Zuschauer nicht mehr zu wissen braucht, als dass hier ein FUCKING Tornado voll mit KRASS TÖDLICHEN Haien durch die Gegend fegt. Aaalter. Was aus leicht verständlichen Gründen verheimlicht wird, ist dass dieser übel extreme, krasse B-Movie eine ganze Menge Seifenopern-mäßiger, zwischenmenschlicher Drama-Klischees enthält, die auf mieseste Art und Weise ernsthaft und vollkommen ohne erkennbares Augenzwinkern durchgezogen werden. Es fühlt sich an als ob man sich einen B-Movie ansieht der Stellenweise durch Episoden einer ARD-Nachmittagssoap unterbrochen wird.

***WARNUNG: SPOILER AB HIER***

Für einen Streifen der sich als absurd-witziges Trash-Spektakel versteht, und anpreist, gibt es ehrlich gesagt wenig wirklich witzige Szenen. Aber was passiert überhaupt? Nun, nach der Ankündigung dass der unübliche Sturm bald auf die Küste von Kalifornien treffen wird, folgen wir unserem Hauptdarsteller, dem Barbesitzer Fin Shepard, wie er sich mit seinen Freunden zusammen auf den Weg zu seiner Ex-Frau und seiner Tochter macht, um sicherzugehen dass die beiden in Sicherheit sind. Der Sohn des geschiedenen Paares stößt später auch noch zur Gruppe, zwischendurch geht ein unwichtigeres Mitglied der Gruppe verloren, und am Ende jagen unsere „Helden“ die drei (ja, drei) Sharknados mit Bomben auseinander.

Natürlich kann man argumentieren, dass man diesen Film nicht so ernst nehmen sollte, wenn man sich überhaupt entscheidet ihn ernst zu nehmen. Aber ich sehe es , als jemand der aufrichtigen Trash mag, einfach nicht gerne wenn mir ein, abseits seiner absurden Prämisse, ziemlich Hollywood-mäßiger Schinken als selbstironischer Trash verkauft wird. Während ihrer Odyssee durch ein halb überschwemmtes Kalifornien treffen unsere Hauptdarsteller auf einen voll besetzten Schulbus der stecken geblieben ist. Und was soll ich sagen, kein einziges Kind wird von einem Hai gefressen. Nur der dicke Schulbusfahrer wird von fallenden Trümmern, nicht Haien, erschlagen. BUUUUUH! Das ist kein Trash, das ist 08/15 Fernsehfilm.

Falls das noch nicht Hinweis genug ist wird spätestens nach einem „rührenden“ 4-Augen-Gespräch zwischen dem Vater und seiner entfremdeten Tochter klar, dass man hier nicht wirklich einen Trashfilm sieht, sondern eher das Werk eines Autoren/Regisseur-Duos das knallhart richtung Hollywood-Mainstream schielt und seine wirklich eher gewöhnliche Action-Kost lediglich mit Hilfe eines radikalen Aufhängers schmackhaft macht. Und so ist Sharknado zwar ein Paradebeispiel für gelungenes Marketing, das tatsächliche Produkt aber hält nicht was es verspricht.

Die meiner Meinung nach schlimmste Dreistigkeit des Films ist die finale Actionsequenz. Während des Finales stürzt die weibliche Hauptdarstellerin Nova aus einem fliegenden Hubschrauber, direkt in den Rachen eines vorbeifliegenden Hais. Diese für sich sehr unerwartete und witzige Szene wird einige Minuten später ruiniert indem sich Fin, mit einer Motorsäge bewaffnet, in den selbigen Schlund stürzt, um sich - gemeinsam mit der NOCH LEBENDIGEN Nova mittels der Säge wieder aus dem Tier herauszuschneiden, und uns so doch noch das glückliche Hollywood Ende zu bescheren um das keiner von uns gebeten hat.

Fairerweise muss ich sagen: Der Film ist technisch einwandfrei, die Schauspieler sind nicht all zu übel, und wer sich den Film in Erwartung eines absolut durchschnittlichen Actionfilms reinzieht wird sicher kriegen was er erwartet. Wer aber einen guten alten B-Schinken mit übertrieben lachhafter Darbietung und einer Menge augenzwinkernden Humors erwartet, wird - wie ich - schwer enttäuscht werden.

Oh, und der Song der über den Abspann gespielt wird ist ein schamloser "Teenage Lobotomy" Ripoff und verdient es, geschmäht zu werden.

3/10